Randbemerkungen

Wenn das Handy zigmal klingelt

Mein Mobiltelefon hat vor einigen Tagen mal wieder ein größeres Betriebs­system-Update bekommen, und ich habe inner­halb von 48 Stunden nicht feststellen können, dass eine der von mir benutzten Funktionen drama­tisch schlechter arbeitet als vorher. Das ist ein Novum.

Mein Mobiltelefon, muss man dazu sagen, ist seit 2018 (als mein vorhe­riger Androide nach grade mal fünf Jahren partout nicht mehr zuver­lässig arbeiten wollte) ein Nokia 8110 4G, also kein Tatsch­bildschirm mit viel zu kleinem Akku dahinter, sondern ein Tasten­telefon, das höchstens einmal pro Woche geladen werden muss. Auf dem Papier ist es genau das, was ich inzwischen von einem Handy erwarte: Man kann damit tele­fonieren und SMS senden/empfangen, außerdem einen WLAN-Hotspot für den Rechner einrichten, viel mehr aber auch nicht; insbesondere die bord­eigenen Web- und Mail-Apps sind faktisch unbe­nutzbar, was ich bei Mobil­geräten durchaus als Vorteil empfinde (man kommt erst gar nicht in die Versuchung, schnell was nachzu­gucken). Leider hat die Papier­form kaum Schnitt­menge mit der Realität – vor allem, weil mit bisher jedem „Update“ außer dem letzten die eine oder andere Dysfunktio­nalität hinzu­gekommen ist. Unvoll­ständige Liste der Ärgernisse:

Anfangs konnte man aus der SMS-Oberfläche direkt eine neue Nachricht an eine Person in der Kontakte-Liste schreiben, indem man die ersten zwei Buch­staben eintippte und den passenden Vorschlag wählte. Das reduzierte sich in einer der OS-Revisionen darauf, dass das nur noch für Kontakte auf der SIM-Karte galt, in einer anderen galt es nur für solche im Geräte­speicher (weshalb inzwischen bei mir jeder Kontakt doppelt gespeichert ist). Seit ca. dem vorletzten Update geht das nun gar nicht mehr: Im SMS-Programm selbst kann ich nur noch die Rufnummer eintippen, nicht aber den Namen. Wenn ich die Nummer nicht auswendig weiß, muss ich das Kontakte-Programm aufrufen und dort in den Optionen SMS wählen.

Dies umständ­liche Getippe wird dadurch nicht eben erleichtert, dass die Tasten keinen defi­nierten Druck­punkt haben. Den falschen Buchstaben oder eine Ziffer doppelt zu treffen ist Normalität; auch nach ca. anderthalb Jahren liegt meine Fehler­quote beim Tippen noch oberhalb von 25%.

Ebenfalls über die OS-Versionen schlechter wurde die Implemen­tierung der Hotspot-Funktion. Es gibt einen Shortcut zum Einschalten der Mobil­daten und einen gut versteckten Menü­eintrag für den eigentlichen Hotspot; beides muss einge­schaltet werden, um dann übers Handy WLAN zu haben. Anfangs schaltete sich der Hotspot immerhin noch mit aus, wenn man die Mobildaten wieder abwählte, inzwischen muss beides separat wieder ausge­schaltet werden, sonst bleibt der Hotspot ohne Internet aktiv und nuckelt den Akku ruck-zuck leer.

Timer, Wecker und Co., sollte man meinen, seien in einem Digital­dingens das Einfachste von der Welt. Weit gefehlt: Habe ich einen Timer laufen und schalte ihn vor der Zeit wieder aus oder gebe noch ein paar Minuten drauf, klingelt es manchmal trotzdem noch nach Ablauf der ursprüng­lich gewählten Zeit. Gelegentlich sogar so lange, bis ich das Handy komplett ausschalte.

Auch nur begrenzt lustig ist, dass in den neueren Revisionen
* bei eingehenden Anrufen manchmal der Klingelton und/oder das Vibrieren beim Annehmen nicht aufhören, sondern während des Gesprächs weiter­brummeln bis zum harten Ausschalten,
* sich die Taschenlampe bei zuge­schobenem Gerät schon mal von selbst einschaltet und es dann in der Hecktasche leuchtet,
* Lautlos- oder Flugmodus auch gern von selbst angehen und ich dann dringende Anrufe verpasse (wohlgemerkt: Das Gerät hat außer dem Haupt­schalter keine physischen Knöpfe außerhalb der Abdeckung, deren versehent­liches Drücken für all das verant­wortlich sein könnte).

Kurzum: Ich muss da ein Montags­gerät erwischt haben, bei dem der Montag auf einen Freitag, den 13., fiel. Da aber die meisten Probleme nicht 100% repro­duzierbar sind, lässt sich das Ganze nicht mal sinn­voll reklamieren (nicht dass ich es nicht versucht hätte am Anfang).

Also überlege ich mir, bis das Gerät vollends übern Jordan geht – gemessen an der niedrigen Auflade­frequenz ist die Micro-USB-Buchse schon jetzt beängstigend wackelig –, ob ich doch wieder zu einem Tatsch­gerät übergehen soll (obwohl ich ja das Smartphone als solches schon in die Schublade Aus dem Alter bin ich raus weg­sortiert hatte) oder ob ich auch auf die Hotspot-Funktion verzichten kann und einfach unterwegs generell kein Internet mehr haben will – dann täte es auch jedes 20-Euro-Handy.

So oder so eine unbe­friedigende Sache, dass dieses Zeug nicht einfach mal zehn Jahre mackenlos funktio­nieren kann …

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