Digital,  Randbemerkungen

BER ist überall

Nicht an der Schönefelder Dauerbaustelle fotografiert, fühlt sich aber gerade so ähnlich an:
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Inzwischen ist es etwas mehr als drei Jahre her, dass die regionalen Stadt­werke in meinem Ortsteil begonnen haben, die Reklame­trommel für Glasfaser-Hausanschlüsse zu rühren.

Wenig später, einige von euch werden sich an meinen damaligen Bericht erinnern, zogen dann die Drücker­kolonnen der Zeugen Magentas von Tür zu Tür, um den Leuten zu suggerieren, dass ihr zuuuufällig gerade hier frei­geschaltetes DSL mit Vectoring quasi dasselbe sei wie Fiber to the Home; so war es kein Wunder, dass erst nach einem Drei­viertel­jahr die geforderte Vertrags­abschluss­quote von ca. einem Drittel der Haushalte für den Glasfaser-Ausbau erreicht war. [*]

Dann passierte ein Jahr lang nichts.

Dann passierte noch mal ein Jahr lang nichts.

Und dann, vor wenigen Wochen, tauchten plötzlich Leute in Klein­transportern mit ost­europäischen Kenn­zeichen auf [**], um von jetzt auf gleich, es gab keine konkrete Vorankündigung, auf Bürger­steigen und an Hauswänden Löcher zu graben und Kabel bis ans Haus zu verlegen. Noch mal zehn Tage später kamen dann zwei der Kollegen ins Haus (diesmal immerhin mit einem knappen Tag Vorwarnzeit), um das Lichtleiter-Kabel nach drinnen zu führen. Da hängt es nun, siehe Foto.

Und jetzt wird, so der Kenntnis­stand, wieder acht bis zehn Wochen lang nichts passieren.

Danach kommt wohl jemand ins Haus, um das Endgerät anzubringen, an das ich dann den Router anstöpsle. Bin gespannt, wer das sein wird: Die Stadtwerke haben mir heute am Telefon gesagt, das macht der-und-jener Elektriker, und ebenjener Elektriker hat mir gesagt, das machen die Stadtwerke … (Dabei wollte ich bloß wissen, ob ich dieses Endgerät im Keller anbringen lassen muss oder lieber noch ein Loch zum Erdgeschoss hin bohren kann, um es direkt neben den Router im Arbeits­zimmer zu hängen. Lang genug ist die Lichtleiter-Strippe ja, siehe Foto.)

Und wenn dann das Endgerät hängt, dann dauert es laut heutigem Telefonat noch mal 14 Tage, bis der Router dran funktioniert (warum auch immer). Wenn dann gemessen und bestätigt ist, dass alles klappt, dann erst wird der alte DSL-Vertrag gekündigt, und das wird voraus­sichtlich ein paar Wochen zu spät sein, um noch zu Sommer 2020 wirksam zu werden, also wird der noch ein Jahr länger laufen, und dann werde ich von Vertrags­abschluss bis Inbetrieb­nahme viereinhalb Jahre auf FTTH gewartet haben. Vier-ein-halb Jahre.

Und dann werde ich fast 50 Prozent mehr bezahlen als für den Anschluss heute und trotzdem immer noch keine Flatrate in deutsche Mobilfunk-Netze haben, obwohl allein der Faktor Telefon im Paket doppelt so viel kosten wird wie mein Mobil-Vertrag, in dem innerhalb Deutschlands praktisch alles inkludiert ist 🙁

Ihr versteht, wieso es sich hier gerade wie BER anfühlt?

[*] Tatsächlich wird ja das, was wir derzeit übers Kupferkabel bekommen, nämlich durchschnittlich 80–90% der beworbenen 100/40 Mbit down-/upstream, nach heutigem Ermessen noch eine Weile ausreichend sein: Ich übertrage bereits heute etliche hundert Megabyte Printdaten in wenigen Minuten zur Druckerei; mit demnächst stabil 300 Mbit symmetrisch – das ist dann die kleinste Rate – kannste ja kaum blinzeln, so schnell wird das weg sein … Nein, aus akutem Bedarf hätte ich auch kein FTTH bestellt.

[**] Ich vermute eine Art Entwicklungs­hilfe: Heißt es nicht seit Jahren, dass praktisch der gesamte Ex-Ostblock viel weiter sei als D bei der Kommu­nikations-Infra­struktur? Jetzt sind sie wahr­scheinlich vom Bosporus bis kurz vor Brandenburg fertig mit Buddeln und machen direkt hier weiter …

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